Franz Schöberl (Bildungswerk Adelheim) - Verleihung der Staufer-Medaille

Einsatz für die alte und die neue Heimat
 
„Es ist uns eine Ehre, Sie als Bürger in Adelsheim zu haben“

Für seinen ehrenamtlichen Einsatz im Katholischen Bildungswerk in Adelsheim, im Südmährerbund, in der Sudetendeutschen Landsmannschaft und in der Freizeitsportgruppe Sennfeld hat Ministerpräsident Wilfried Kretschmann dem Adelsheimer Franz Schöberl die Staufermedaille verliehen. Minister Peter Hauk übergab diese und eine Urkunde im Rahmen einer Feierstunde am 15.10.2021 in Adelsheim.
 
„Wir ehren eine Person, die viel zu erzählen hat, weil sie viel geleistet hat“, stellte Peter Hauk, Minister für Ernährung, Ländlicher Raum und Verbraucherschutz, in seiner Laudatio fest. Denn Schöberl wurde im Sudetenland geboren und wurde im Alter von zehn Jahren mit seiner Familie aus seiner Heimat vertrieben. „Es ist wichtig, dass man Menschen wie Ihnen zuhört“, sagte der Minister. „Was Sie als Heimatvertriebener erlebt haben, kann man sich heute nicht mehr vorstellen.“

Franz Schöberl absolvierte in Adelsheim eine Ausbildung zum Maler, sattelte um zum Verwaltungsdienst und war im Wasserwirtschaftsamt in Adelsheim tätig. Er absolvierte die Prüfung für den gehobenen Verwaltungsdienst und arbeitete im Landratsamt. Er ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern. „Sie haben hier Ihre neue Heimat gefunden“, stellte Hauk fest.

Im Ehrenamt hat Schöberl sich vor allem „herausragende Verdienste im Südmährerbund und in der sudetendeutschen Landsmannschaft“ erworben. „Sie haben sich für Ihre Heimat in die Pflicht nehmen lassen“, betonte Hauk. Gemäß der Charta der Heimatvertriebenen habe dabei immer die Völkerverbindung im Mittelpunkt gestanden. Schöberl hatte die Ortsbetreuung seines alten Heimatorts Niederbaumgarten übernommen und wenig später auch von Neuhaus. Im Jahr 2009 wurde er Kreisbetreuer für den ehemals sudetendeutschen Kreis Neubistritz. Außerdem wurde er Schriftleiter der Neubistritzer Zeitung.

Ab dem Jahr 1999 engagierte sich Schöberl im Bildungswerk Adelsheim. Zwischen den Jahren 2000 und 2017 organisierte er 42 Veranstaltungen.

„Hier ist ein Mann, der mental über sich hinausgewachsen ist“, fasste Hauk die Leistung des Geehrten zusammen. „Sie sind ein Vorbild für andere!“ Anschließend verlas Hauk den Text der Urkunde und verlieh die Staufer-Medaille an Franz Schöberl.

„Wenn man Ihren Lebensweg zurückverfolgt, dann steht Ihr Leben geradezu beispielhaft für die unglaubliche Leistung, die gerade die vielen Heimatvertriebenen und Flüchtlinge nach dem Zweiten  Weltkrieg hier bei uns erbracht haben“, stellte Landrat Dr. Achim Brötel in seiner Würdigung auf den Geehrten fest. Dieser sei einer von zwölf bis 14 Millionen Vertriebener gewesen, einer von über 45.000, für die im heutigen Neckar-Odenwald-Kreis eine neue Zukunft begonnen habe. Schöberl habe seine alte Heimat jedoch nie vergessen, sondern sich im Südmährerbund und in der Sudetendeutschen Landsmannschaft engagiert. Er sei zum Ortschronisten seiner Heimatgemeinde Niederbaumgarten geworden. „Der Neubeginn war für viele Heimatvertriebenen eine Zukunft mit Heimweh“, stellte Brötel fest. Auch der Landrat ging auf Schöberls beruflichen Werdegang ein und hob dessen Engagement „als örtlicher Leiter des Erwachsenenbildungswerks, als unermüdlicher Organisator von Ausstellungen, Vortragsabenden, Filmvorführungen, Diskussionen, als Übungsleiter im Jedermann-Turnen des SV Sennfeld und als Betreuer in unserem Betreuungsverein“ hervor. Für all das dankte Brötel dem 86-Jährigen: „Sie haben für die Allgemeinheit Unglaubliches geleistet und werden deshalb völlig zu Recht öffentlich dafür geehrt.“
Anschließend würdigte Dr. Fritz Sperle für die Mitglieder der Freizeitsportgruppe im TV Sennfeld Franz Schöberl. Dieser sei gewissenhaft, diszipliniert und ordentlich gewesen – auch im Sport. Dort habe er auch gelernt, fröhlich zu sein und zu lachen. Sperle dankte ebenfalls dem Geehrten und wünschte ihm alles Gute. Dies tat auch Franz Longin von der Sudetendeutschen Landsmannschaft. „Das Heimatmuseum in deiner Heimatgemeinde ist dein großes Werk!“, stellte dieser fest.

Franz Schöberl bedankte sich bei allen, die zu der Austragung der Feierstunde beigetragen hatten. Er habe vor allem im Ruhestand sich zunehmend ehrenamtlich betätigt. „Für mich waren die ehrenamtlichen Tätigkeiten eine Herausforderung“, sagte er. „Ich werde sie immer in Erinnerung behalten.“

Bürgermeister Wolfram Bernhardt beendete die Feier mit einem kurzen Schlusswort: „Es ist uns eine Ehre, Sie als Bürger in Adelsheim zu haben.“ 
 
Text und Foto: Martin Bernhard, Journalist (www.diefeder.de)